Monday, August 4. 2008Mikrofacetten-Modell
Nach einigem Experimentieren funktioniert jetzt auch das Mikrofacetten-Modell für durchsichtige Stoffe. Hier sind ein paar Bilder von verschieden stark angerauten Glasoberflächen. Der erste Drache erinnert an ein wenig an Eis oder etwas sehr sehr kaltes, beschlagenes. Um so breiter (und rauer) die Mikrofacetten-Verteilung, um so mehr ähnelt die Erscheinung der von sandgestrahltem Glas.
Der nächste Schritt ist nun, den Renderer von den "nur" 3 RGB-Farben auf alle sichtbaren Spektralfarben zu erweitern, da ansonsten einige physikalische Phänomene schlecht oder gar nicht simuliert werden können. Saturday, August 2. 2008Material-Test
Um die Ferien über nicht nur unnütz rumzuhocken und um mich etwas auf das nächste Semester vorzubereiten, habe ich in den letzten Monate viele Verbesserungen an meiner Rendering-Software vorgenommen. Das ist ein wahrhaft endloses Vorhaben, denn für jede neu eingebaute Funktion fallen mir noch zwei andere wichtige Dinge ein, die eigentlich auch noch drin sein sollten... Um das Programm einigermaßen auf den aktuellen Stand der Technik zu bekommen, mussten mehrere Teile nochmal ganz neu geschrieben werden.
Die meiste Zeit habe ich damit verbracht, die sogenannten kd-Bäume noch effizienter zu bauen und zu durchlaufen. Die benötigt man z.B., um Kollisionen zwischen Lichtstrahlen und dreidimensionalen Objekten in möglichst kurzer Zeit zu berechnen. Dabei gibt es alle möglichen Tricks, mit denen man das Programm noch weiter beschleunigen kann (Wenn zum Beispiel mehrere Lichtstrahlen sehr nahe beieinander liegen, treffen sie höchstwahrscheinlich auch auf dasselbe Objekt. Man kann viele Berechnungen einsparen, indem man diese sogenannte "Kohärenz" vorteilhaft ausnutzt). Nach allen Optimierungen können komplexe Szenen mit mehr als 400.000 Dreiecken in Echtzeit (ca. 8 Bilder pro Sekunde) komplett auf der CPU berechnet und dargestellt werden. Anschließend habe ich noch "Environment map lighting" eingebaut. Hier wird ein dreidimensionales Panorama verwendet, um ein Objekt zu beleuchten - d.h. jemand macht ein Foto von einer realen Umgebung, die anschließend in eine virtuelle Lichtquelle umgewandelt und um das (ebenfalls virtuelle) Objekt platziert wird. Hier sind ein paar Bilder vom letzten Material-Test, der unter anderem auch "environment map lighting" verwendet: Lambert-Material Von mir kommt hier nur das Programm - der Drache ist ein 3D-Scan der UTIA und TU Prag und das Hintergrund-Panorama stammt von Paul Debevec. Das "Lambert"-Material ist eine Art idealisierter diffuser Stoff. So etwas perfektes existiert in der realen Welt zwar nicht, wird in der Computergrafik aber gerne eingesetzt, um matt polierten Kunststoff zu imitieren. Perfektes dielektrisches und reflektierendes Material Das dielektrische Material hat einen einstellbaren Brechungsindex, mit den man Stoffe wie z.B. Glas, Wasser oder Diamant simulieren kann. Einen perfekten Spiegel gibt es ebenfalls nicht, weshalb man hier meist auf ein physikalisch etwas plausibleres Modell wechselt: Mikrofacetten und Ward-Material Das Mikrofacetten-Modell ist mein Favorit - es simuliert ein raues Object, dessen Oberfläche aus winzigen Facetten besteht. Die Häufigkeit der Facetten folgt außerdem noch einer gegebenen statistischen Verteilung, wodurch sich eine Vielzahl von verschiedenen Stoffen approximieren lässt. Das führt zu komplizierten Berechnungen, lohnt sich aber wegen der realistischen Ergebnisse. Falls mir genug Zeit bleibt, will ich das Microfacetten-Modell noch erweitern, damit es auch durchsichtige Stoffe (z.B. Glas) darstellen kann, die eine raue Oberfläche besitzen. Und dann bräuchte es noch ein realistischeres Modell für Metalle... und, und, und..... man könnte ewig weitermachen! Tuesday, July 8. 2008Cloth rendering
Über die Semesterferien arbeite ich für einen meiner Professoren an einem Projekt zur realistischen Darstellung gewobener Stoffe. Dazu bastele ich zur Zeit eine 3D-Testszene, die ein Geschenk mit einer Satin-Schleife enthält, die möglichst flauschig und überzeugend aussehen soll. Der Algorithmus wurde von Piti Irawan, einem ehemaligen Cornell-Studenten, entwickelt. Hier ein Bild vom aktuellen Stand der Dinge:
Sunday, May 18. 2008Die letzten Wochen
Heute Abend landet Olesya in NYC und ich bin gerade mit dem Bus auf dem Weg dorthin, um sie am Flughafen abzuholen. Alle Uni-sachen sind fertig und jetzt kann man die letzten Stunden an den Händen abzählen
Das Ende des Semesters hier in den USA ist jedes Mal ein Erlebnis. Alles steuert auf diese eine letzte Woche hin, in der alle Klausuren geschrieben und Projekte abgegeben werden müssen, weshalb viele Studenten für längere Zeit einfach gar nicht mehr schlafen. Ganz so schlimm wars bei mir zum Glück dieses mal nicht, aber das Zeitgefühl spinnt trotzdem ganz ordentlich. Im einen Moment geht es praktisch um jede Sekunde: Schnell noch dieses paper fertig schreiben, dann das Abschlussprojekt Momente vor der Deadline abschicken. Und nachdem dann das letzte davon fertig ist, steht man da und kann es kaum glauben. Man könnte einfach einen Film schauen oder zwanzig Stunden schlafen und es wäre völlig egal Ich hab gegen Ende noch viel fotografiert, was ich bei Gelegenheit mal hochladen wollte. (und einen besserer Zeitpunkt als 5 Stunden Busfahrt mit Internet gibts echt nicht). Das erste ist das Mensa-System in Cornell und die Fotos habe ich leicht unfreiwillig gemacht: Vor einem Monat musste ich feststellen, dass die 300$ auf meinem Meal Plan am Ende des Semesters automatisch verfallen würden (Wer denkt sich nur so ein doofes System aus...). Deshalb war fleißiges Mensa-Essen angesagt und so hab ich auch fast alle mal durchprobiert. Im Vergleich zu Karlsruhe ist das System eher dezentral organisiert und 8 kleine Mensen sind über das ganze Gelände verstreut. Dann gibt es noch mini-Mensen, die zB nur koscheres Essen oder spezielle Diäten für Mormonen etc. anbieten. Generell kauft man sich kein Essen sondern bezahlt einen Eintritt (Morgens 6, mittag 8, abends 10$), woraufhin man eigentlich den ganzen Tag darin bleiben könnte. Es gibt keine Linien sondern Buffets und manche Sachen muss man bestellen. Mein Lieblings-essen (und die Idee find ich auch total gut) ist ein Grill, bei dem man verschiedenes Gemüse selbst aussuchen kann und in einer Schale an den Koch gibt, der das dann asiatisch zubereitet. Risley Hall, Ryan und Phelps North Star Grill in Robert Purcell Dining Dann war noch das CS Department Picknick am Lake Cayuga. Beim eigentlichen Picknick war ich nur ganz kurz, denn ein paar der PhDs sind zu den Taughannock Falls gelaufen, die dort ganz in der Nähe waren. Und ich habs nicht bereut mitzukommen, denn das war die bisher mit Abstand schönste Stelle in Ithaca! Kaum zu glauben, dass dieser kleine Fluss so eine riesige zerklüftete Schlucht in den Berg gefressen hat. Der Wasserfall ganz am Ende ist anscheinend einer der höchsten in ganz Amerika (höher als die Niagarafälle) und im Winter gefriert er zu einem gigantischen senkrechten Eiszapfen! Lake Cayuga (mit malerischem Kohlekraftwerk) Seltsames Flussbett!, CS PhD students Panoramas!! Jetzt ist gleich die Batterie leer und ich muss aufhören Monday, May 5. 2008Mareike und Volker zu Besuch
Was letzte Woche noch eine lustige Idee war, hat diese Woche geklappt: Mareike und Volker (ein Freund von ihr an der UMass) kamen zu Besuch nach Ithaca. Jan hatte ein fieses Take-Home exam, weshalb er leider nicht mitfahren konnte (evtl hätte ich die Schoko und Vanille-Milch noch fotografieren sollen
Am Samstag Nachmittag standen die beiden schließlich nach über fünf Stunden Fahrt vor meinem Dormitory. Was eigentlich ganz logisch klingt, war irgendwie verrückt: jemand, den man innerlich noch fest mit Karlsruhe assoziiert, steht plötzlich direkt vor einem. Es ging mir anscheinend nicht alleine so und nach eingem Grinsen und nachdem die Unmengen (!) an Zeug aus dem Auto ausgeladen waren, sind wir dann zusammen den Campus-"Mountain" hochgekrackselt. Ich hatte davor schon eine Riesen-Liste mit Sehenswürdigkeiten geschrieben, die wir sogar fast alle geschafft haben. Zuerst sind wir einmal im Kreis um den westlichen Teil des Campus herumgelaufen und haben einige der Bibliotheken und anderen Gebäude angeschaut. Nachdem die Füße sich dann irgendwann beschwert haben, sind wir noch in die nördliche Schlucht herabgestiegen, wo es auch schon anfing leicht dunkel zu werden. Zum Abendessen waren wir in einer Mensa auf dem Nordcampus und da konnte ich doch noch eine interessante Feststellung machen: Wir Deutschen kommen echt nicht mit diesem "All you can eat"-Prinzip klar. Wenn ich manchmal mit ein paar Amerikanern essen gehe, lachen sie über meinen Teller und sagen, dass eigentlich eher "All you care to eat" gemeint ist. Aber wenn es 10 Sachen zur Auswahl gibt, will man ja schließlich alle einmal probieren Am Sonntag hatte ich nur Vormittags Zeit, deshalb sind wir früh aufgestanden, um noch den Buttermilk Falls-Trail entlang zu wandern. Ich wollte da eigentlich schon seit langem hin - aber jetzt wo die beiden zu Besuch waren und die Sonne schien, war das perfekt. Die Buttermilk Falls heißen so, weil das Wasser dort irgendwie "blubberiger" Man erkennt auch die Gesteinsformationen, die man überall in Ithaca finden kann: Eine Schicht weiches Sediment, eine Schicht harter Kalkstein und so weiter... Wenn man einen Bach und ein paar hundert Jahre dazunimmt, gibts dann diese Platten im Flussbett. Danach sind die beiden wieder zurück in Richtung Massachusetts gefahren. Insgesamt wars ein Super-Wochenende und ich fands echt klasse, dass es geklappt hat. Nachmittags war bei mir dann noch das CS Department-Picknick - darüber schreib ich aber ein andermal.. Thursday, May 1. 2008Noch mehr Besuch!
Juhu, noch mehr Besuch! Wenn alles klappt, kommt Mareike dieses Wochenende mit ein paar Freunden nach Ithaca. Jan ist sich noch nicht ganz sicher, ob er Zeit haben wird. Deshalb kommt nun das unschlagbare Argument (und wer Jan nicht kennt, muss das jetzt nicht verstehen
Und ja, sie ist wirklich seeehr lecker Monday, April 28. 2008Cornell im Frühling
Mit dem herrlichen Frühling, den es zur Zeit hier in Ithaca hat, kommt auch das Ende dieses Semesters immer näher. Und das hat es mal wieder ziemlich in sich! (Was auch der Grund für die langanhaltende Stille auf dieser Seite war). Die letzten Wochen habe ich viel an der Abschlussarbeit für meinen masters degree gearbeitet und eine Präsentation dazu gehalten.
Juhu! Das allein wäre nicht besonders erwähnenswert - ein Moment ist mir jedoch deutlich in Erinnerung geblieben: Da rede ich eine Stunde lang und erkläre mit intuitiven Argumenten und zugegebenermaßen etwas händewedelnd den Inhalt meiner Arbeit, da keine Zeit für eine detaillierte Herleitung war. Und als ich schließlich das Ergebnis zeige (Eine analytische Lösung einer partiellen Differentialgleichung, die den Fluss von Licht in faserigen Objekten beschreibt), meldet sich sofort einer der Professoren und fragt ob ich wirklich sicher sei, dass dieses Ergebnis korrekt sei. Er hätte das Gefühl, da fehle noch etwas.... Wow. Ich war platt, denn er hatte natürlich recht. Am Tag davor hab ich eine Normalisierungs-Konstante "unterschlagen" Das Observatorium Am 17. Mai fliegt Olesya nach New York City und kommt mich von Amerika abholen. Nach so langer Zeit kann ich kaum glauben, dass es jetzt nur noch ein paar Tage dauert. Wir beide sind dann jedenfalls noch eine Woche in New York City, bevor wir dann irgendwann am 25. in Karlsruhe ankommen. Und so wie diese Woche immer näher kommt, haben wir auch festgestellt, dass unsere täglichen Telefongespräche immer mehr einem exponentiellen Wachstum folgen. Voraussichtlich irgendwann nächste Woche wird der Tag kommen, an dem wir einfach nicht mehr auflegen Libe Slope Apropos Karlsruhe: Die Uni hat mich inzwischen ohne mit der Wimper zu zucken exmatrikuliert. Ich hab mich neulich in diese Online-Selbstbedienungsfunktion eingeloggt und mit Interesse festgestellt, dass ich anscheinend kein Student mehr bin Saturday, March 15. 2008Happy Dragon Day!
Jedes Jahr um diese Zeit wird in Cornell eine seltsame Tradition gefeiert: der Dragon Day (Wikipedia), sozusagen der Tag der Architekten. Die Freshmen bauen einen riesigen Drachen, der feierlich durch den Campus gezogen wird. Am Ziel dürfen ihn dann die Architektur-Sophomores (Studenten im 2. Semester) anzünden und alle sind glücklich
Behold the Dragon Früher war der genaue Termin des Dragon Days ein gut gehütetes Geheimnis. Seit die Feuerwehr die Straßen absperrt und das Feuer überwacht, weiß natürlich jeder schon Tage im Vorraus bescheid. Dieses Jahr scheint Recycling eine wichtige Rolle gespielt zu haben - man beachte die Wahl der Haut und die Schuppen aus zerschnittenen Bechern Das beste am Dragon Day ist der Umzug vom Archi-Gebäude bis zum Arts Quad! Da haben sich manche echt was einfallen lassen: Den Ingenieuren passt es natürlich nicht, dass die Architekten einfach so einen Tag ganz für sich alleine bekommen. Außerdem muss ja irgendwer den Engineering Quad vor dem bösen Drachen beschützen Die Phoenix Society verteidigt die Ehre der Ingenieure Geschafft Warum es ausgerechnet ein Drache ist und warum der Dragon Day gerade an diesem Tag stattfindet, weiß wahrscheinlich niemand so richtig. Jedenfalls wars zum kaputtlachen und das Vorlesungs-schwänzen hat sich allemal gelohnt In diesem Sinne: Happy Dragon Day! Thursday, February 28. 2008Wohnungssuche
Die letzten Tage war ich mit einer Freundin auf Wohnungssuche für das nächste Semester. Ilil macht gerade ihren PhD in Geisteswissenschaften (Science and Technology Studies) und falls alles klappt, werden wir dann im Wintersemester eine WG teilen. So langsam haben wir jedenfalls genug vom "Graduate Housing" (der Ausdruck ist hier gut als Schimpfwort zu gebrauchen)..
Wie war das doch - Immobilienkrise in den USA? In Ithaca ist es gerade andersrum: Wer eine Wohnung sucht, kriegt garantiert die Krise! Die meisten Häuser sind über 100 Jahre alt; den Zeitpunkt der letzten Renovierung muss man ebenfalls in dieser Zeit vermuten. Cornell bringt leider einen recht zuverlässigen Strom an Studenten, die gar keine Wahl haben, als das zu mieten, was einigermaßen nah und verfügbar ist. Und so waren dann auch einige der Angebote, die wir gesehen haben: 600$ pro Kopf und Monat für eine düstere, dumpfe Kellerwohnung - Heizungskosten und Strom extra versteht sich. Ilil Gestern haben wir dann aber doch noch ein super-Apartment gefunden und auch schon unterschrieben. Die Wohnung hat zwei Zimmer, ein riesengroßes Wohnzimmer/Küchenzimmer mit Sofas, Sesseln und einer gemütlichen Kaminecke. Das tollste daran ist, dass es in einer sehr ruhigen Ecke auf dem Nordcampus liegt (-> nie mehr morgens den Hügel hochlaufen!!). Das Haus ist recht nördlich, also mitten in der Natur und trotzdem viel näher als das Wohnheim, in dem ich im Moment noch wohne. Die Miete ist auch sehr gut - irgendwo muss ein Haken sein... mehr dazu dann im Herbst Foto (leider etwas mini) Über mehrere Tage hinweg hatten wir hier einen fiesen Schneesturm und ich musste das erste Mal in diesem Semester den Bus zur Uni nehmen (man konnte einfach nicht mehr hochlaufen, keine Chance bei der Steigung). Auf den Straßen wiederum sind solche Unmengen an Salz! Die Bäume tun mir echt leid.. Am Wochenende wurde vom Cornell Chorus, dem Glee Club und dem Orchester "Ein Deutsches Requiem" von Brahms aufgeführt. Die Aufführung war sehr gut - mal schauen wann ich diesen Ohrwurm wieder los werde (Denn alles Fleisch, es ist wie Gras. Und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blumen. Das Gras ist verdorret und die Blumen abgefallen).. Die Aussprache war überraschend gut, ich hatte ziemlich üblen Dialekt erwartet Bailey Hall Saturday, February 16. 2008The Wilder Brain Collection
Die "Wilder Brain Collection" gehört definitiv zu den verrückteren Dingen, denen man hier über den Weg laufen kann
Eine Sache fand ich aber bemerkenswert: Mit ihrem Tod hat Helen H. Gardenen (eine der "anwesenden") geholfen, ein damals weit verbreitetes Vorurteil aus der Welt zu schaffen: dass Frauen im Vergleich zu Männern ein geringeres Gehirnvolumen hätten! Die Soziologen im Stockwerk darunter sagen: "Living brains - first floor. Dead brains - upstairs." Hier ist es die letzten Wochen eisig kalt gewesen (Immer zwischen -2 und -12 Grad). Sobald der Schnee mal wegschmilzt, sackt die Temparatur sogleich wieder ab und es gibt in derselben Nacht schon wieder neuen. Ich habe viel über das Ph.D.-Programm nachgedacht und sehe es inzwischen positiver. Allerdings wird mir nichts anderes übrig bleiben, als Ithaca nun als mein vorläufiges Zuhause zu akzeptieren (was ich bisher noch nicht wirklich getan habe). Tuesday, February 12. 2008Ph.D.-Programm
Vor rund zwei Monaten habe ich mich bei Cornell für ein Ph.D.-Programm beworben. Gestern Abend bekam ich dann eine EMail mit einer Zusage. Ich bin immer noch ein bisschen durcheinander - es war schon klar, dass irgendwann eine sehr wichtige Nachricht kommt, aber das hat mich dann doch sehr überrumpelt. Die Chancen reinzukommen waren ziemlich null (über 600 Bewerber auf 32 Plätze), deshalb habe ich bis zum Ende damit gerechnet abgelehnt zu werden, damit es keine allzu große Entäuschung werden würde. Das wirft so ziemlich alle Pläne für die kommenden Jahre über den Haufen (inklusive das Diplom in Karlsruhe fertigzumachen). Trotzdem werde ich das Angebot aber annehmen. Ich habe hier etwas gefunden, für das ich mich wirklich begeistern kann, und das sich in solcher Tiefe und Vielfalt leider an keiner Uni in Deutschland findet. So wie es im Moment aussieht, werde ich hauptsächlich mit zwei Professoren hier zusammenarbeiten - Steve Marschner und Kavita Bala, die beide auf dem Gebiet der Computergrafik forschen. Ich habe schon seit einer Weile gedacht, dass ich irgendwann mal promovieren will. Jetzt habe ich die Möglichkeit, sofort damit anzufangen - und das spart mir mindestens 2 Jahre, die ich in jedem Fall noch gebraucht hätte, um das Diplom in Karlsruhe fertig zu machen. So richtig freuen kann ich mich darüber allerdings noch nicht, obwohl ich natürlich ganz arg gehofft habe, dass es klappt. So wie es aussieht werde ich also noch weitere 4 Jahre in Amerika studieren. Das Angebot beinhaltet auch ein Vollstipendium, das Studiengebühren und Miete+Lebensunterhalt bezahlt. Dafür muss ich als Gegenleistung aber als "Teaching Assistant" arbeiten (so ähnlich wie ein Tutor in Deutschland). In den Semesterferien werde ich dann in Deutschland sein - zusammen genommen etwas mehr als 4 Monate im Jahr. Das ist erstmal ein ganz schön großer Brocken zu verdauen und es gibt noch vieles, über das ich Nachdenken muss, bevor ich mich genug entspannen kann, um das ganze zu feiern.
Tuesday, February 5. 2008Ein neues Semester!
Da jetzt schon die dritte Woche des neuen Semesters ist, wird es langsam überfällig ein bisschen was darüber zu schreiben
Ich arbeite dieses Semester an dem Abschlussprojekt für den masters degree. Das Thema ist ein bisschen krank und ich habe im Moment noch damit zu kämpfen. Es geht um "Anisotropische Photonen-Diffusion" (Deutsch: wie Licht sich verhält wenn es unter der Oberfläche tausende Male gestreut oder reflektiert wird. Dann kann man es wie eine Flüssigkeit beschreiben, die sich in dem Gegenstand "vermischt"). Das Wort "Anisotropisch" bedeutet hier, dass dieses Vermischen ein bisschen anders abläuft, wenn der Stoff eine innere Struktur wie zum Beispiel Fasern (Holz) oder Zellen (Haut) hat. Ich versuche gerade noch die einfachere "isotropische" Version dieser Theorie von A-Z zu verstehen, leider wird es aber an den entscheidenden Stellen arg physikalisch und ohne Wissen über Brownsche Bewegung, Schwarzkörperstrahlung und Bessel-Funktionen sieht es schlecht aus.. Dann höre je eine Info-Vorlesung (Advanced Interactive Computer Graphics) und eine Mathe-Vorlesung (Numerical Analysis: Linear and Nonlinear Problems). Die Numerik-Vorlesung geht in Richtung Wissenschaftliches Rechnen, ist aber ansonsten thematisch ähnlich zur Numerik-Vorlesung in Karlsruhe (an die ich leider keinerlei Erinnerung mehr habe!). Die Grafik-Vorlesung ist absolut genial! Da geht es hauptsächlich um neue Forschungsergebnisse auf dem Gebiet, also Dinge die erst in den letzten 2-3 Jahren entwickelt wurden. Zu guter letzt bin ich noch Tutor für CS569 (Interactive Computer Graphics). Es ist auch eine Grafik-Vorlesung, dementsprechend hoch ist die Motivation Thursday, December 13. 2007Farewell Ithaca .. NOT!Geschafft
Geschafft - die letzten Klausuren sind geschrieben und das dritte Final Project habe ich gestern abgegeben! Danach habe ich gleich mal 21 Stunden geschlafen!
Ohne Transparenz und mit Ketchup-Messwerten Wachs und Seife Zwei kurze Animationen Am Sonntag komme ich in Karlsruhe an und platze schon jetzt fast vor Vorfreude! Bis bald! Monday, December 3. 2007Semester-Endspurt
Für alle, die sich gewundert haben, warum ich in den letzten zwei Wochen mit aller Regelmäßigkeit zur Mittagszeit in Karlsruhe im ICQ anzutreffen bin: Seit zwei Wochen findet hier der Semester-Endspurt statt, und es gibt sehr viel zu tun. Genauer: viel zu tun in viel zu wenig Zeit! Die Tage werden dadurch so unglaublich lange, dass es mir schon ein paar mal passiert ist, dass ich an Ereignisse von vor ein paar Tagen gedacht habe, und mir dann mit Erschrecken bewusst wurde, dass das alles am selben Tag passiert ist! Heute war ein besonders anstrengender Tag, da die Deadline von zwei meiner drei "final projects" um 23:59 Uhr war. Bei einem Projekt (eine Teamarbeit mit 2 PhD-Studenten) haben wir noch bis 40 Sekunden vor der Abgabefrist Änderungen vorgenommen (Die letzten Minuten werde ich nie vergessen. Die anderen Leute in dem Büro auch nicht - das war echt zum Schreien!)
Der langen Rede kurzer Sinn: hier ist mein Final Project-Film für die Animations-Klasse. Viel Spaß beim Schauen! Der Ton fehlt noch, was eine Szene etwas schwer verständlich macht. Aber wenn man sich das dazudenkt, sollte es Sinn machen. (Tip: Wie hört sich ein leckeres Bonbon an, wenn es erschüttert wird? Wednesday, October 31. 2007Besuch von Zuhause!
Zur schönsten Jahreszeit haben mich meine Eltern hier in Ithaca besucht! Ich hab mir dafür ein paar Tage frei genommen und die Zeit so richtig genossen. Meine Eltern haben sich schließlich über die Länge meiner Campus-Führungen beschwert - ich hab ihnen wirklich jedes Fleckchen gezeigt!
Am dem Wochenende war ich auch das erste Mal zu Besuch im "Statler Hotel". Das ist sozusagen das Uni-Hotel, denn hier kann man sich für einen Studiengang namens "Hotel Management" einschreiben. Es gibt eine Fakultät und direkt daneben liegt das Hotel. Lustig daran fanden wir, dass fast das ganze Hotelpersonal aus Studenten bestand. Die werden zur Arbeit verdonnert und müssen da alle ein Praktikum machen (Kellnern, etc..) Dafür wars aber wirklich super und das Essen war total lecker - wahrscheinlich kriegen die Noten dafür Am Montag sind wir dann zusammen mit dem Bus nach New York City gefahren. Obwohl es eigentlich gar nicht so weit ist, brauchen die Busse ganze 5 Stunden für die Fahrt! Im Hotel in NYC ist mir dann eine ziemlich gruselige Geschichte passiert: Kurz vorm ins Bett gehen hab ich mein Laptop aufgemacht und gesehen, dass es ein offenes WLAN mit dem Namen des Hotels gab. Erster Gedanke: "Hoffentlich ist das umsonst". Nachdem keine Meldung über irgendwelche Kosten kam (und in dem kleinen Büchlein mit Hotel-Dienstleistungen stand auch nichts), hab ich dann ganz unbekümmert meine Emails gecheckt und eine Viertelstunde lang Spiegel online gelesen. Doch wie geschah mir am nächsten Morgen, als jemand einen Zettel unter meiner Tür durchgeschoben hatte. Da stand drauf: "Room Internet - GROSSE ZAHL $$$". Ich bin fast umgekippt! Internet ist heutzutage so selbstverständlich, dass man einfach nicht mit hohen Kosten fürs bloße Surfen rechnet. Nachdem ich mich gedanklich auf eine fiese Szene in der Lobby vorbereitet hatte, bin ich dann mit dem Fahrstuhl runtergefahren. Wie sich dann zu meiner großen Erleichterung herausgestellt hat, war das aber nicht der Preis für das Internet sondern für mein Hotelzimmer. Weil meine Mutter das Zimmer übers Internet gebucht hatte. Glück gehabt! Aber viele solche Aktionen macht mein Herz nicht mehr mit... Mit viel Kaffee gestärkt (ja, das ist eine Müslischale) sind wir dann am nächsten Morgen ein bisschen durch Soho gebummelt. Das ist ein schöner Stadteil von Manhattan, den man an den vielen gusseisernen Säulen und Feuerleitern erkennt. Danach gings nach Chinatown, das direkt daneben liegt. Chinatown gefällt mir sehr gut, und ich gehe jedesmal hin, wenn ich in NYC bin. Man läuft in eine Querstraße und plötzlich sind fast alle Schilder auf chinesisch. Teilweise sprechen die Leute dort auch nur chinesisch und die Straßen sind von Geschäften gesäumt, auf denen seltsame Waren feilgeboten werden. In Chinatown liegt auch mein Lieblings-Teegeschäft für grünen Tee, "Ten Ren". Seit meinem letzten Besuch haben die noch ein zusätzliches Geschäft eröffnet, in dem man "Bubble Tea" trinken (oder eher: essen) kann. Mit Tee haben die meisten dieser Kreationen nicht mehr so viel zu tun, aber es ist total lecker und ziemlich verrückt. Unten in dem Glas sind nämlich Kugeln aus Tapioka, die man dann durch ein riesiges Röhrchen hochsaugt und kaut. Wir haben 6 verschiedene Bubble Teas bestellt Kurios war auch das Geschäft, das Kunststoff-Attrappen aller Gerichte im Schaufenster hatte. Ich würde dort zwar nicht unbdingt essen wollen - die Idee fand ich aber lustig Indian Summer
Wenn ich mir die Bilder von Jans und Mareikes Blog anschaue, habe ich das Gefühl, dass der Indian Summer hier irgendwie langsamer ist. Erst jetzt fangen die ersten Bäume gemächlich damit an, ganz tolle Farben zu bekommen:
Wahrscheinlich ist es hier einfach ein bisschen verzögert, weil der "Finger Lake" die Region so stark herunterkühlt und in ein paar Wochen passiert dann alles ganz plötzlich. Auf meinem Computer habe ich jetzt ein neues Panorama-Programm installiert, das viel besser als das letzte funktioniert (Das macht keine Linien mehr, wo sich die einzelnen Bilder überschneiden). Deshalb hab ich nochmal Panorama-Fotos vom Clocktower und Bebee Lake gemacht: Wenn es dann soweit ist, bin ich mit meiner Kamera bewaffnet Saturday, October 13. 2007Epitaph of an unfortunate computer scientist
Die Fall Break kam und ging - vier Tage ohne Uni. Eigentlich wollte ich zuerst einen Ausflug nach NYC machen - aber daraus wurde nichts. Ich hab die ganzen vier Tage von Morgens bis Abends an meinen Aufgaben gearbeitet und bin gerade so fertig geworden..! Das Tempo ist echt rasant und ich habe inzwischen eine Arbeitsweise, bei der ich gleich zum nächsten Problem wechsele, sobald ich für mehr eine Viertelstunde irgendwo festhänge.. Im Vergleich zur Uni Karlsruhe würde ich das Verhältnis Arbeit zu Freizeit statt 70:30 eher 90:10 oder noch höher einschätzen. Die Cornell-Studenten sagen dazu: "Where did you get the ten percent?" Clocktower nachts und die Brücke am Beebee Lake Ich nutze auch mal die Gelegenheit, um mich über die amerikanischen Standards zur "Academic Integrity" zu beschweren |